200. Geburtsjahr des Hl. Bruder Konrad

Heuer, im Jahr 2018 steht unser Heilige Bruder Konrad wieder ganz besonders im Zentrum unserer Verehrung und des Gedenkens. Es jährt sich sein 200. Geburtstag. 

Aus diesem Grunde bietet das Bruder-Konrad-Jahr 2018 nicht nur für Altötting und seine Kapuziner Anlass zum Feiern, sondern für die ganze Diözese Passau. Das Altöttinger Marienwerk zeigt zu diesem Jubiläum in seinem Filmsaal einen Film über den Heiligen Bruder Konrad. Nähere Informationen: siehe hier.

Johann Birndorfer, wie Bruder Konrad mit seinem bürgerlichen Namen hieß, war über Jahrzehnte hinweg ein Suchender. Geboren wurde er am 22. Dezember 1818 auf dem Venus-Hof zu Parzham im Rottal. Er war das elfte und vorletzte Kind seiner Eltern Bartholomäus und Gertrud Birndorfer. Fünf seiner zwölf Ge­schwis­ter waren freilich schon in der Wiege gestorben. Sein Elternhaus war ein stattliches Bauernanwesen. 125 Tagwerk Grund gehörten dazu und gut zwanzig Rösser standen im Stall, dazu viel anderes Vieh.

Die Mutter starb, als er 14 Jahre zählte. Zwei Jahre später verlor er den Vater. Die Geschwister haben zusammengehalten und waren sich einig, daß der Zweitjüngste den Hof erben sollte. So geschah es dann auch. Aber ein wohlhabender Großbauer zu sein, das war nicht so recht sein Lebensziel. Irgendwann, schon in seinen jüngsten Jahren muss er ein einschneidendes Erlebnis der Gotteserfahrung gehabt haben. Wallfahrten ging er gerne, vor allem zu den Wallfahrtsstätten der näheren Umgebung. Und das, obwohl das Wallfahrten seit der Säkularisation von 1803 noch immer von Staats wegen verboten war.

Als Zwanzigjähriger hatte er ein alles entscheidendes Erlebnis. Bei der Volksmission 1838 in St. Anna bei Ering am Inn dürfte Johann Birndorfer den Pfarrer Franz Dullinger von Aigen am Inn kennen gelernt haben, der im folgenden Jahrzehnt sein Seelenführer und geistlicher Wegweiser wurde. Der Weg, den er wies, führte schließlich 1849 nach Altötting, an die Pforte des Kapuzinerklosters St. Anna, wo er um Aufnahme in den Orden bat. Zuvor hatte er in einer schriftlichen Erklärung alles Hab und Gut abgelegt, auf seinen Bauernhof verzichtet und ihn seinen Geschwistern überlassen und seinen Kapitalanteil am Hof zugunsten seiner Heimatpfarrei, der Armen, der Kirche in der Diaspora und der Mission verschenkt. Schon bald nach dem Noviziat in Laufen bestimmten seine Ordensoberen ihn zum Dienst des Pförtners im St. Anna-Kloster in Altötting. Über 40 Jahre hat er diesen wichtigen Dienst an der Nahtstelle zwischen der lauten Welt und der Stille des Klosters in tiefer Demut und mit großer Gewissenhaftigkeit und Umsicht ausgefüllt.

„Wie Gott will“ - das ist eine der spärlichen in Worte gefassten Grundmaximen, die der heilige Bruder Konrad uns hinterlassen hat. Er hat ja nicht viel geredet, und schon gar nicht viel geschrieben, wenn man einmal absieht von den Vorsätzen, die er als Novize für sein künftiges Ordensleben niedergeschrieben hat oder dem einen oder anderen Brief. So lautet der neunte Vorsatz: „Dem Gehorsam will ich immer genau und pünktlich nachkommen. Und der elfte: „Ich will mich immer bestreben, eine innige Andacht zu Maria, der seligsten Jungfrau zu haben und ihren Tugenden nachzufolgen.“

In eherner Konsequenz ist er seinen Vorsätzen für das Ordensleben treu geblieben. Er hat sich selbst dabei völlig zurückgenommen. Nur zwei „Vergünstigungen“ hat er sich von seinen Vorgesetzten erbeten, die ihm auch gewährt wurden: Den Minis­trantendienst alltäglich um fünf Uhr morgens bei der ersten Hl. Messe am Altar der Gnadenkapelle, und während der Mittagspause eine Stunde „Urlaub“ vom Pfortendienst zum Rosenkranzgebet in der Gnadenkapelle. Die Mutter Gottes liebte und verehrte er mit ganzem Herzen.

Der tägliche Zwölf-Stunden-Dienst an der Pforte ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Der Pförtner ist der Mittler für alle. Er vertritt das Kloster und den Orden nach außen. Er hat gewissenhaft die kleinen und auch viele großen Ausgaben des Klosters für Handwerker, Lieferanten und andere zu tätigen und darüber Buch zu führen. Und er hat da zu sein für all die Menschen, die in ihren Sorgen und Nöten an der Pforte läuten, ihnen zuzuhören und gut zuzusprechen. Nicht zuletzt hat er den Armen, den Handwerksburschen und Bettlern, deren es in jenen Zeiten viele gab, ihr Brot, ihre Suppe und ihr Bier zu geben und dazu ein gutes Wort.

All dies hat er 41 Jahre lang getan, in einer geradezu heroischen Demut und Bescheidenheit, die Aufsehen erregten. Auch Krankheit, Leid und Schmerz, die ihn nicht verschonten, trug er klaglos“.

Die Leute, die zur Pforte kamen, und das waren durchaus nicht nur brave und sanftmütige Gestalten, spürten, dass ihnen da ein außergewöhnlicher Mensch und Ordensmann gegenüber stand. Viele von ihnen haben die Erinnerung an diese Begegnung ein ganzes Leben lang bewahrt. Er hat, wie ein Mitbruder schreibt, „das Gewöhnliche außerordentlich gut getan“. Für viele galt er schon zu Lebzeiten als ein Heiliger.

Über vier Jahrzehnte leistete er aufopfernd diesen Pfortendienst, bis er im April 1894, 76 Jahre alt, zu seinem Hausoberen kam und sagte: „P. Guardian, jetzt geht’s nimmer!“ Zwei Tage später, am 21. April, ist er gestorben.

Die Nachricht vom Tod des Pfortenbruders verbreitete sich in Windeseile in Altötting. Die Bevölkerung strömte in großer Zahl zur St. Anna- Kirche, um von dem dort Aufgebahrten Abschied zu nehmen. Als mehrere von ihnen begannen, aus seinem Ordenshabit Stücke herauszuschneiden, ließ der Hausobere eine Fotografie des Verstorbenen auf seinem Totenlager aufnehmen. Ein Sterbebild! So etwas hatte es im Orden noch nie gegeben, und all das dürfte ein sicherer Beweis dafür sein, daß die Mitbrüder im Orden ebenso wie die Bevölkerung davon überzeugt waren, an der Bahre eines Heiligen zu stehen.

„Vox populi-vox Dei“ – so lautet ein altes Wahrwort. „Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes“. Das mag hin und wieder zweifelhaft sein. Hier traf es zu. 1894 hat das Volk den Bruder Konrad heiliggesprochen. 1930 hat ihn die Kirche nach dem kanonischen Prozeß in Rom selig- und an Pfingsten 1934, nur vierzig Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen. pb